Donnerstag, 19. Oktober 2017

Wie viele kommen noch nach? Neue Zahlen zum Thema Familiennachzug für Flüchtlinge in Deutschland

Nicht nur, aber auch im Wahlkampf war das Thema Familiennachzug für Flüchtlinge, die nach Deutschland gekommen sind, ein mehr als heißes Eisen. Während bestimmte Politiker mit Horrorzahlen von mehr als einer Million Menschen, die von einem Familiennachzug profitieren könnten, hantiert haben, reagierte die Politik auf ihre Art mit Blick auf die mittlerweile vollzogene Bundestagswahl: Einschränkungen beim Familiennachzug wurden für subsidiär Schutzberechtigte in die Welt gesetzt. Für diejenigen, denen nach dem 17. März 2016 eine Aufenthaltserlaubnis als subsidiär Schutzberechtigte erteilt wurde, wurde der Familiennachzug bis zum 16. März 2018 ausgesetzt; ein Nachzug während dieser Phase ist nur in Einzelfällen und aus völkerrechtlichen oder dringenden humanitären Gründen möglich. Aufgrund der hohen Zahl der Asylsuchenden hatte der Gesetzgeber im Jahr 2016 „zur besseren Bewältigung der aktuellen Situation“ die vorübergehende Aussetzung des Familiennachzugs zu subsidiär Schutzberechtigten beschlossen. Dadurch sollten die Flüchtlingsströme besser bewältigt werden können (vgl. dazu und weiteren rechtlichen Aspekten Eine weitere Aussetzung des Familiennachzuges verstößt gegen EU-Recht sowie Ein Menschenrecht auf Eltern).
Grundsätzlich gilt, das einige Voraussetzungen erfüllt sein müssen für einen Familiennachzug: Die aufnehmende Person muss über einen gültigen Aufenthaltstitel verfügen, ausreichenden Wohnraum und Krankenversicherungsschutz für sich und die nachziehenden Familienangehörigen vorweisen sowie den Lebensunterhalt sichern können. Darüber hinaus müssen bestimmte "Integrationsleistungen" vor und/oder nach dem Nachzug erfüllt werden (z. B. Nachweis über Deutschkenntnisse). Allerdings können enge Familienangehörige von anerkannten Flüchtlingen unter erleichterten Bedingungen ein Visum zum Familiennachzug erhalten, auf Lebensunterhaltssicherung, ausreichenden Wohnraum und Spracherfordernis kommt es weitgehend nicht an.
Seit 2014 ist ein deutlicher Zuwachs an erteilten Aufenthaltserlaubnissen im Kontext Familiennachzug zu erkennen. 2013 waren es noch 55.000, im vergangenen Jahr wurden bereits mehr als 105.000 Aufenthaltserlaubnisse erteilt.

Aber wie viele können denn noch kommen? Eine durchaus politisch heikle Frage, die sich auch methodisch gar nicht so einfach beantworten lässt. Das Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB) der Bundesagentur für Arbeit hat es dennoch versucht und ist zu für viele eher erstaunlichen Ergebnissen gekommen.

Entsprechend die Reaktionen in den Medien: Familiennachzug viel zu hoch geschätzt, so  Caterina Lobenstein. Sie weist auch hin auf die - viele Menschen beunruhigenden - Zahlen, die seit einiger Zeit im Umlauf sind:
»Die AfD vermutet, ab 2018 könnten zwei Millionen Flüchtlinge ihren Verwandten nach Deutschland folgen; Politiker der Partei warnten vor ganzen Großfamilien, die sich demnächst in Bewegung setzen und die deutschen Sozialkassen belasten könnten. Pro Flüchtling sei mit fünf Verwandten zu rechnen. Die Bild schrieb von mehr als sieben Millionen weiteren Flüchtlingen, die durch den Familiennachzug nach Deutschland kommen könnten. Innenminister Thomas de Maizière sprach von einer "gewaltigen Zahl".«
Per Familiennachzug kommen weniger Flüchtlinge als erwartet, so ein anderer Artikel. Man sieht schon an dieser kleinen Auswahl, dass das, was das IAB zu Tage gefördert hat, einige irritiert.

Aber wie viele können es denn nun wirklich werden? Dazu lohnt sich ein Blick in die Original-Veröffentlichung des IAB:
Herbert Brücker (2017): Familiennachzug: 150.000 bis 180.000 Ehepartner und Kinder von Geflüchteten mit Schutzstatus leben im Ausland, in: IAB-Forum, 19.10.2017
Die zentralen Befunde der IAB-Berechnungen:
»Bis Ende 2017 werden voraussichtlich rund 600.000 volljährige Geflüchtete mit Schutzstatus in Deutschland leben. Rund 400.000 von ihnen werden als anerkannte Asylbewerber und Flüchtlinge nach der Genfer Flüchtlingskonvention das Recht auf den Nachzug ihrer Ehepartner und minderjährigen Kinder haben. Weitere 200.000 haben überwiegend einen subsidiären Schutzstatus. Für sie wurde der Familiennachzug ausgesetzt, wenn sie seit April 2016 zugezogen sind. Auf die anerkannten Asylbewerber und Geflüchteten werden bis Ende 2017 voraussichtlich 100.000 bis 120.000 Ehepartner und minderjährige Kinder im Ausland entfallen, die einen Anspruch auf Familiennachzug haben. Würden zusätzlich Personen mit subsidiären Schutzstatus berücksichtigt, stiege die Zahl der nachzugsberechtigen Ehepartner und Kinder um 50.000 bis 60.000. Die vergleichsweise geringen Zahlen für den Familiennachzug erklären sich daraus, dass viele Geflüchtete ledig sind und sich deren Kinder und Ehepartner bereits mehrheitlich in Deutschland befinden.« 
Wie sind die auf diese Zahlen gekommen? Man hat auf die IAB-BAMF-SOEP-Befragung von Geflüchteten zurückgegriffen.
»Die IAB-BAMF-SOEP-Befragung von Geflüchteten ist eine jährliche Wiederholungsbefragung, die im Längsschnitt rund 4.500 Geflüchtete befragt. Im ersten Teil wurden 2016 2.349 Geflüchtete interviewt, die in 1.766 Haushalten leben. Der zweite Teil der Befragung ist bis Dezember 2016 noch im Feld und wird den Umfang der Stichprobe in etwa verdoppeln. Befragt werden Geflüchtete, die vom 1. Januar 2013 bis zum 31. Januar 2016 in Deutschland eingereist sind und einen Asylantrag gestellt haben, sowie ihre Haushaltsmitglieder. Befragt wurden in der ersten Welle nur erwachsene Personen (18 Jahre und älter).« Zu ersten Ergebnissen der Befragung vgl. Brücker et al. (2016): IAB-BAMF-SOEP-Befragung von Geflüchteten: Flucht, Ankunft in Deutschland  und erste Schritte der Integration, Nürnberg 2016 sowie Brücker et al. (2017):  IAB-BAMF-SOEP-Befragung von Geflüchteten 2016: Studiendesign, Feldergebnisse sowie Analysen zu schulischer wie beruflicher Qualifikation, Sprachkenntnissen sowie kognitiven Potenzialen, Nürnberg 2017).
Um das an dieser Stelle hervorzuheben: Die Zahlen des IAB beruhen auf Befragungsdaten aus einer Stichprobe, aus denen dann der Umfang der potenziell nachzugsberechtigten Ehepartner und minderjährigen Kinder geschätzt wird.
Für die Schätzung wurde die Familienstruktur aus der Stichprobe herangezogen - die gilt als repräsentativ für Personen, die vom 1.1.2013 bis zum 31.1.2016 als Schutzsuchende nach Deutschland gekommen sind. Die Abschätzung der Zahl der nachzugsberechtigten Familienangehörigen von Geflüchteten ist nicht zu verwechseln mit einer Analyse des tatsächlichen Familiennachzugs. Dazu das IAB: »Grundsätzlich ist davon ausgehen, dass der tatsächliche Familiennachzug die Zahl der nachzugsberechtigten Personen möglicherweise erheblich unterschreitet. Allerdings muss ebenfalls berücksichtigt werden, dass auch Familienangehörige, die keinen Anspruch auf Familiennachzug haben, in einem gewissen Umfang nachziehen werden.«

Das Fazit des IAB:

»Die Zahl der im Ausland lebenden nachzugsberechtigten Familienangehörigen von Geflüchteten ist deutlich geringer als in der Öffentlichkeit häufig genannt – so wird vielfach eine Zahl von rund einem, mitunter von drei bis vier nachzugsberechtigten Familienangehörigen angenommen.
Zwei Gründe sind ausschlaggebend dafür, dass die Zahl tatsächlich deutlich niedriger ist: Der erste Grund liegt in der Alters- und Familienstruktur der Geflüchteten. Die Geflüchteten sind eine junge Bevölkerungsgruppe und häufig ledig ... Der zweite Grund liegt darin, dass sich die Mehrzahl der Ehepartner und Kinder bereits in Deutschland befindet ... Daher kommen auf jeden erwachsenen Geflüchteten tatsächlich nur 0,28 Ehepartner und minderjährige Kinder, die – einen entsprechenden Schutzstatus vorausgesetzt – einen Anspruch auf Familiennachzug geltend machen können. Allerdings werden auch andere Familienangehörige einen Antrag auf Familiennachzug stellen. Wenn wir die Lebenspartner und erwachsenen Kinder berücksichtigen, dann würden auf jeden erwachsenen Geflüchteten 0,37 Familienangehörige im Ausland entfallen ... Insgesamt kommen also auf die erwachsenen anerkannten Asylberechtigten und Flüchtlinge in Deutschland zum Jahresende 2017 100.000 bis 120.000 nachzugsberechtigte Ehepartner und Kinder, die im Ausland leben. Wenn wir die Personen mit subsidiärem Schutz berücksichtigen, steigt diese Zahl auf 150.000 bis 180.000.«

Kommentare:

Gardinenverkäufer hat gesagt…

Lt. einer Meldung des Focus hoffen 390.000 Syrer darauf ihre Familienangehörigen nachzuholen. "Die Zeit" berichtete 2016, dass 500.000 Familienangehörige aus Syrien erwartet werden.

Mit dem Thema Familiennachzug haben sich bereits mehrere Gerichte befasst, u.a. auch das Bundesverwaltungsgericht (BVerwG 10 C 9.12; http://www.bverwg.de/entscheidungen/entscheidung.php?ent=180413U10C9.12.0).

Wie hoch die Zahl derjenigen sein wird, die versuchen werden im Rahmen der Familienzusammenführung nach Deutschland zu kommen ist nicht vorauszusagen. Von Januar bis Ende Juni 2017 stellte das Auswärtige Amt insgesamt 62.000 Visa für Familienzusammenführungen aus, wie die Heilbronner Stimme unter Berufung auf Kreise des Auswärtigen Amts berichtete. Im ersten Halbjahr 2016 waren es demnach 45.000, im ersten Halbjahr 2015 nur 30.000 Visa.

Auch die Zahl der Familiennachzüge zu syrischen und irakischen Flüchtlingen stieg dem Bericht zufolge deutlich an. Im ersten Halbjahr 2017 wurden zu diesem Zweck demnach 25.500 Visa ausgestellt. Im selben Zeitraum im vergangenen Jahr waren es 15.500, im ersten Halbjahr 2015 etwa 7.000 Visa.

Einen starken Anstieg habe das Auswärtige Amt auch beim Nachzug zu minderjährigen Flüchtlingen verzeichnet, berichtete die „Heilbronner Stimme“. Im ersten Halbjahr 2016 stellte das Ministerium demnach 550, im ersten Halbjahr 2017 insgesamt etwa 4.000 Visa aus. Für das Jahr 2015 habe es noch keine gesonderte Erhebung gegeben (migazin.de).

Es gibt aber auch schon wieder Berichte wie "Aleppo lebt" - in dem ein syrischer Bio-Seifenhersteller vorkommt, der seine Seifenproduktion wieder aufgenommen hat und diese sogar in die EU exportiert, wie auch ein Goldschmied, der auf ein Wiederaufleben der Stadt hofft.

oder der zwölfjährige Flüchtling Mohamad Adib Ayoud - der vor zwei Jahren,mit seinem Onkel, aus Aleppo floh und der jetzt wieder in seine Heimat zurück kehrt (faz.net, Aleppo statt reinheim).

Ich hoffe der Frieden hält in Syrien und es kehrt wieder Normalität ein - denn sonst wird die Zahl derjenigen die nach Deutschland wollen - weiter ansteigen. Für Deutschlands Sozialsysteme wird das m.E den Kollaps bedeuten.



Anonym hat gesagt…

Was wir brauchen ist ein Einwanderungsgesetzt und die Reform des Asyls. Nach meiner Kenntnis ist eine Zuwanderung von ca. 400.000 Fachkräfte in Deutschland notwendig, um die Sozialsysteme zu stützen (Bei all den Studien und Artikeln hierzu habe ich die Quelle vergessen.)
Das Asylrecht muss vereinfacht werden. Warum darf ein Emigrant hier nicht direkt arbeiten, wenn er ein Arbeitgeber findet. So entlastet er den Staat, entwickelt sich und nützt der Allgemeinheit. Das Rheinland ist seit jeher ein Einwanderungsland. Schade das die Politik dem seit Jahrzehnten keine Rechnung trägt (Zuckmayer Völkermühle).
Im Übrigen vereinfachen diese Reformen den Familiennachzug.
Beim Fachkräftemangel kennen die Bewohner der sogenannten "zweiten u. dritten Welt", die Länder mit der besten Nettoquote. Die Abgaben zur Sozialversicherung und Steuersätze sind daher sehr reformbedürftig.

Stefan Sell hat gesagt…

Sie haben den Zuwanderungsbedarf in Ihrem Kommentar erwähnt in einer Größenordnung von 400.000. Das geht u.a. auf diese Studie zurück: Fuchs/Kubis/Schneider (2015): Zuwanderungsbedarf aus Drittstaaten in Deutschland bis 2050. Szenarien für ein konstantes Erwerbspersonenpotenzial –
unter Berücksichtigung der zukünftigen inländischen Erwerbsbeteiligung und der EU-Binnenmobilität
.
»Die Studie zeigt, dass Deutschland selbst bei extrem steigenden Erwerbsquoten jährlich 346.000 mehr Zuzüge als Fortzüge bräuchte, um das Erwerbspersonenpotenzial bis 2050 konstant zu halten. Bei normal steigenden Erwerbsquoten wäre eine jährliche Nettozuwanderung von 533.000 Menschen notwendig.«
Und weiter: »Laut Studie müsste die durchschnittliche jährliche Zuwanderung aus Drittstaaten bis zum Jahr 2050 im günstigsten Szenario, also bei extrem steigenden Erwerbsquoten und hoher EU-Zuwanderung, 276.000 Personen betragen. Nur dann würde das Erwerbspersonenpotenzial konstant bleiben. Im wahrscheinlicheren Szenario, das heißt bei normal steigenden Erwerbsquoten und niedriger EU-Zuwanderung, bräuchten wir jährlich sogar 491.000 Zuwanderer aus Nicht-EU-Ländern.« (S.2)

Gardinenverkäufer hat gesagt…

@Anonym, 20.10.2017, 11.17 - nach aktuellen Meldungen (u.a. des Spiegels ;Frühere Zuwanderer, Mehr Menschen erhalten ihre Rente im Ausland) gehen immer mehr "Zuwanderer" nach ausscheiden aus dem Arbeitsleben in ihre Heimat zurück.

Immer mehr Senioren wandern aus - und beziehen ihre gesetzliche deutsche Rente im Ausland. Die meisten von ihnen zieht es in den europäischen Süden, berichtet die "Rheinische Post" unter Berufung auf Zahlen der Rentenversicherung.

Demnach hat sich die Zahl der Rentenbezüge im Ausland seit 1990 von 780.000 auf 1,76 Millionen im vergangenen Jahr mehr als verdoppelt. Das seien fast sieben Prozent aller Rentenzahlungen überhaupt, teilte die Deutsche Rentenversicherung dem Bericht zufolge mit.

Demnach zählt die Rentenkasse rund eine Million Auslandsrenten allein in den südlichen EU-Ländern, darunter besonders viele in Italien (373.000), Spanien (226.000), Griechenland (100.000) und Frankreich (87.000). In der Türkei beziehen heute fast 70.000 Menschen eine deutsche Rente.

"Der Anstieg beruht zu einem großen Teil auf der Zuwanderung von Arbeitnehmern vor allem aus Italien, Spanien, Griechenland, dem ehemaligen Jugoslawien und der Türkei in den Sechziger- und Siebzigerjahren, die Beiträge zur Rentenversicherung in Deutschland gezahlt haben", teilte die Rentenversicherung mit.

87 Prozent der Auslandsrenten gingen den Angaben zufolge an ausländische Staatsangehörige, 13 Prozent an Deutsche mit festem Wohnsitz im Ausland. Für die Auslandsrenten wendete die Rentenversicherung im vergangenen Jahr insgesamt 6,4 Milliarden Euro auf. Elf Jahre zuvor waren es erst 4,4 Milliarden Euro gewesen.

Deutschland hat mit vielen Länder enstsprechende Abkommen geschlossen. Dabei handelt es sich um sog. Entsendeabkommen bzw. Sozialversicherungsabkommen.

Wer aber letztendlich Rente und in welcher Höhe (und auch ins Ausland überwiesen bekommt, das regelt die Deutsche Rentenversicherung (https://www.deutsche-rentenversicherung.de/Allgemein/de/Inhalt/2_Rente_Reha/01_rente/01_grundwissen/05_rente_und_ausland/01a_grundlagen/01_02_grundlagen_sozialversabkommen.html bzw. https://www.deutsche-rentenversicherung.de/Allgemein/de/Inhalt/2_Rente_Reha/01_rente/01_grundwissen/05_rente_und_ausland/02a_rente/02_02_rente_andere_staaten.html#top

Steuerrechtlcih ist für Rentner im Ausland (RiA) das Finanzamt Neubrandenburg RiA zuständig (http://www.finanzamt-rente-im-ausland.de/de/) - also man sieht es ist nicht so einfach - es gibt auch Stolperfallen.

Ein weiteres Problem wird die Digitalisierung sein, wenn immer mehr Maschinen die Arbeit von Menschen übernehmen.

Fakt ist, dass es sich bei vielen Zuwanderern um nicht bis nur sehr gering qualifizierte Arbeitskräfte handelt -aber auch diejenigen, die über die notwendige Schul-, Ausbildung aber auch Studium verfügen, finden in den seltenste Fällen hier einen ädaquaten Arbeitsplatz. Wer die dunkle Seite des deutschen Arbeitsmarktes kennt, der wird erkennen, dass immer mehr (u.a. tarifgebundene) Arbeitsplätze verloren gehen und der Arbeitssklavenmarkt immer mehr zunimmt. Schon heute finden sich über 99% aller Flüchtlinge mit diesem Problem konfrontiert.

Deutschland braucht im Grunde genommen keinerlei Zuwanderung - aber dazu gehört, dass wir und um unsere Systeme kümmern und sie nicht verkümmern lassen.

Das Problem ist, dass so lange in disen Ländern keine demokratischen Verhältnisse entstehen, bzw. Deutschland ein soziales Schlaraffenland ist, werden wir den Zustrom derjenigen, die kommen wollen nicht aufhalten.
Erst heute berichtete der Länderspiegel wieder von Berlin, dass immer mehr Probleme mit osteuropäischen Zuwanderern hat, die im Stadtteil Tiergarten zelten und campieren bzw. unter den Brücken wohnen - Berlin ist dabei sicher kein Einzelfall...

Anonym hat gesagt…

@Gardinenverkäufer, einige Ihrer Aussagen bezweifle ich sehr. Die Rente hat mit Flüchtlinge nichts zu tun. Es fehlt die Quote der "Gastarbeiter" die in Ihrer Heimatländer zurückkehren. Wir sollten europäisch denken, in den USA setzen sich viele Menschen im Süden (Florida) etc. zur Ruhe.

Es werden qualifizierte Handwerker, Facharbeiter, Pfleger und Ingenieure, Techniker, Softwareentwickler benötigt. Hierfür benötigen wir ein Einwanderungsgesetz, in dem Menschen die Chance erhalten als vollwertige Bürger in Deutschland zu leben.

Nicht alle Arbeiten lassen sich automatisieren (Handwerk, Pflege) und dort wo automatisiert wird werden Menschen zum Automatisieren benötigt. Das Automatisierung Jobs killt hat sich bislang in keinem Jahrzehnt bestätigt. Die Arbeitswelt hat sich gewandelt, es gab jedoch immer mehr Beschäftige. Neue Techniken der Künstlichen Intelligenz werden ganzen Branchen verändern. Berufsbilder wie der Bankkaufmann werden verschwinden. Es werden neue Berufe entstehen und neue Qualifikationen gefragt werden. Die Länder mit entsprechender Human Kapital werden einen entsprechen Vorteil haben. An diesem Punkt hat Deutschland noch die Chance sich zu stärken. Keiner kann sagen was die Zukunft bringt, sich den Themen mit Mut zu nähern ist besser als mit Angst. Mit Angst haben wir gleich verloren (Digitaler Kapitalismus).
Weiterhin steht Deutschland im europäischen und internationalen Bereich im Wettbewerb der Sozialsysteme (Nettoquote). Viele Deutsche hochqualifizierte wandern aus, daran arbeitet kaum eine Partei oder Gewerkschaft.

Was die Debatte um Flüchtlinge betrifft, viele sind jung und wollen sich weiterbilden. Bleiben sie im Land ist es gut, können und wollen sie heimkehren haben wir vielleicht dankbare Handelspartner ausgebildet. In Afrika, kann man die Flüchtlinge durch eine Verbesserung der Lebensbedingungen verringern.
Der nahe Osten bleibt wohl lange ein Pulverfass. Die Probleme hierzu wurden vor 100 Jahren mit Ende des 1. Weltkrieges geschaffen. Ich hoffe für die Menschen dort, auf ein Ende des fortwährenden „dreißigjährigen Krieges“. Afghanistan zeigt, dass es langer und schwieriger Weg wird.
Was Bürgerkriegsländer betrifft, hatte ich Kollegen und Kolleginnen aus dem ehemaligen Jugoslawien. Zurück wollten diese nicht mehr, weil sich dort der Krieg von Haus zu Haus von Familie zu Familie ereignet hat. Die Wunden waren fünfzehn Jahre nach dem Krieg noch nicht verheilt. Diese Leid hat nichts mit „soziales Schlaraffenland“ zu tun. Ausbilden und Arbeiten ist besser als bürokratisch zu verwahren.

Gardinenverkäufer hat gesagt…

@anonym, 21, 22.14:

Ich denke "europäisch". Vorangestellt möchte ich aber sagen, dass das deutsche Sozialsystem nicht mit dem "american dream" zu vergleichen ist. Natürlich zieht es viele Auswanderer in das Land der Träume - auch Rentner.
In den Vereinigten Staaten haben viele Angehörige der Mittelschicht ihre Altersvorsorge in Form von Aktien angelegt. Gerade als 2008 der amerikanische Aktienmarkt in die Knie ging schmolz bei vielen Mittelständlern ihre Altersvorsorge wie Schnee im Sommer - und sie drohten zu verarmen - allen voran in Florida (http://www.wiwo.de/finanzen/rentnerparadies-florida-wie-reiche-rentner-verarmen/5529844.html)

Mit etwas Glück gehört man zu den glücklichen Gewinnern einer "Greencard" - ansonsten ist es nicht ganz leicht in Amerika eine Arbeits- bzw. Daueraufenthaltserlaubnis zu erlangen.

Im Jahre 2008 haben sich, laut einer Statistik der Deutschen Rentenversicherung, 191.730 Ruheständler ihre Rente ins Ausland überweisen lassen. 86.000 Renten gingen davon in die USA - mehr als in die Schweiz, nach Österreich, Spanien oder Frankreich.

näheres dazu findet man unter: https://www.americandream.de/ruhestaendler-in-amerika/

Natürlich erhält in Deutschland nur Rente wer entsprechende Beiträge einbezahlt hat. Aufgrund der wirtschaftlichen Verflechtungen hat Deutschland mit vielen Ländern entsprechende Sozialversicherungsabkommen bzw. bilaterale Verträge abgeschlossen. Einen Über­blick der bi­la­te­ra­len So­zi­al­ver­si­che­rungs­ab­kom­men - Stand: Au­gust 2017 gibt es hier: http://www.bmas.de/SharedDocs/Downloads/DE/zweiseitige-abkommen.pdf;jsessionid=980A83E50B433235B694A2232FC19094?__blob=publicationFile&v=6

Einen Überblick über die Zahl der Zuwanderung bzw. Wegzug und einen Sozialbericht für die Bundesrepublik findet man bei "destatis.de" (https://www.destatis.de/DE/Publikationen/Datenreport/Downloads/Datenreport2016.pdf?__blob=publicationFile)

Dass durch die Migration entsprechende Probleme entstehen ist nicht von der Hand zu weisen - natürlich gibt es auch Forderungen, die Einwanderung in die EU aus Drittstaaten zu erleichtern, insbesondere den Zugang zum europäischen Arbeitsmarkt. Die Stiftung Medam/Mercator hat dazu eine Studie veröffentlicht: https://www.ifw-kiel.de/medien/medieninformationen/2017/mehr-flexible-solidaritaet-in-der-europaeischen-asyl-und-migrationspolitik

Aufgrund der kritischen Situation in der Pflegebranche wirbt die Bundesrepublik derzeit verstärkt Pflegekräfte aus Vietnam und den Philippinen an - Die Pflegekraft Gum-Sun Kim, die vor 24 Jahren aus Vietnam nach Berlin kam, sorgt sich um die, die noch nachfolgen sollen: http://www.deutschlandfunkkultur.de/anwerbeabkommen-frau-kim-und-die-pflege.947.de.html?dram:article_id=281122

Gardinenverkäufer hat gesagt…

Fortsetzung:

Unter den Migranten gibt es aber auch Verlierer - wie die Geschichte von "Sami" zeigt, der aus Nordafrika nach Deutschland kam - Nicht auf der Flucht vor Krieg oder Hunger, sondern auf der Suche nach dem Glück. Voller Hoffnung.
So wie "Sami" geht es vielen ausländischen Zuwanderern
(Spielsucht unter Migranten-Verloren in der Spielothek; http://www.deutschlandfunkkultur.de/spielsucht-unter-migranten-verloren-in-der-spielothek.1076.de.html?dram:article_id=398823)

Der Hinweis, dass viele junge Asylbewerber nach Deutschland kommen (warum kommen keine "Alten?) - lässt viele Fragen zu. In den allermeisten Fällen wird in den dortigen Familien-Clans gesammelt, um zumindest einen von Ihnen die Reise ins gelobte Land zu ermöglichen bzw. den Schlepper zu bezahlen. Finden sie dann Arbeit, dann zu unlauteren/unmenschlichen Bedingungen. Die meisten von ihnen arbeiten dann schwarz wie der Bericht von Caterina Lobenstein/Zeit zeigt (http://www.zeit.de/2017/23/asylbewerber-fluechtling-arbeitsmarkt-schwarzarbeit)

In Deutschland gibt es schätzungsweise derzeit 10 Mio Menschen, die selbst nach Arbeit suchen, um aus der staatlichen Hatz IV-Falle zu entkommen - darunter befinden sich viele fachlich hochqualifizierte Arbeitskräfte - u.a. auch Krankenschwestern und Pflegekräfte bzw. Ingenieure.

Einwanderungsgesetz? - Deutschland hat innerhalb von zwei Jahren über 17.000 hochqualifizierte Fachkräfte angeworben, die eine sog. "Blue-Card" erhielten. Auch hier gibt es bereits Fälle von Missbrauch - bzw. wo die Fachkräfte nach einer kurzen Zeit ihren Arbeitsplatz verloren haben und jetzt, z.B. als Kurierfahrer, tätig sind.

In Deutschland halten sich derzeit nicht nur Millionen von Süd-, Südosteurpäern auf - viele davon ohne bei den Meldebehörden erfasst zu sein- sondern auch viele aus Afrika und Asien.

Wie die Geschichte von "Annan": Der dunkelhäutige Annan* zum Beispiel kam mit einem Visum aus Ghana und lebte vier Jahre lang ohne Papiere in Deutschland. Er lieh sich offizielle Dokumenten von Landsleuten gegen Geld aus und fand über Zeitarbeitsfirmen Jobs.
Dann bekam er mit einer legal in Deutschland lebenden Afrikanerin ein Kind. Sie bestätigte die Vaterschaft beim Standesamt. Annan konnte auftauchen, Jugendamt sticht Ausländerbehörde. Jetzt wird er geduldet und kann nicht mehr abgeschoben werden. Es soll Männer ohne Papiere geben, die viel Geld für eine Vaterschaft zahlen. Dafür, dass sie der leibliche Vater eines Kinder werden, oder dass eine Mutter ihre Vaterschaft bestätigt. Man spricht von Summen um die 4000 Euro (https://correctiv.org/recherchen/unsichtbare/artikel/2016/02/06/identitaetenhandel-unsichtbare/)

Gleiche Recherchen belegen, dass über 500.000 Südamerikanerinnen in Deutschland (illegal) aufhältig sind, nachdem ihr Visa abelaufen ist, sind sie nicht mehr ausgereist. Ziel war es in Deutschland einen Ehemann zu finden. Viele dieser Frauen sind in der illegalen Prostitution gelandet. Die Zahl oder Dunkelziffer, wie viele andere Frauen ebenfalls hier gefangen gehalten werden ist unbekannt.

Das ist nur eine von vielen Wahrheiten....