Mittwoch, 12. April 2017

Über eine Million Menschen sind auf Grundsicherung im Alter und bei Erwerbsminderung angewiesen

Im Dezember 2016 bezogen in Deutschland rund 1.026000 Personen ab 18 Jahren Leistungen der Grundsicherung im Alter und bei Erwerbsminderung nach dem SGB XII. Das hat das Statistische Bundesamt mitgeteilt. Das waren 1,2 Prozent weniger Leistungsberechtigte als im Dezember 2015. Damals hatten rund 1.038.000 Personen Leistungen der Grundsicherung gemäß SGB XII erhalten. Ist das nicht ein Beleg dafür, dass diejenigen falsch liegen, die solche Zahlen wie der Grundsicherungsempfänger im Alter und bei Erwerbsminderung immer gerne zitieren, um eine stetige Verschlechterung der Situation ganz unten zu belegen? Müssen die sich jetzt entschuldigen? So einfach ist es dann auch wieder nicht. Man könnte an dieser Stelle darauf hinweisen, dass es gerade in der Grundsicherung für Ältere viele Menschen gibt, die Anspruch hätten auf aufstockende Grundsicherungsleistungen, diese aber aus Scham oder welchen Gründen auch immer gar nicht in Anspruch nehmen und infolgedessen auch nicht in der Statistik auftauchen.

Aber man kann bei den Bundesstatistikern selbst weiterlesen und erfährt dann das hier: » Seit Einführung der Leistung im Jahr 2003 ist die Zahl der Leistungsberechtigten nahezu kontinuierlich von rund 440 000 auf knapp 1.039.000 Leistungsberechtigte im März 2016 gestiegen. Sowohl im Juni 2016 mit rund 1.035.000 Personen als auch im September 2016 mit 1.021.000 Personen ging die Anzahl der auf die Grundsicherung gemäß SGB XII angewiesenen Personen gegenüber dem Vorquartal leicht zurück.«

Wie kann man diesen leichten Rückgang erklären? Dazu schreibt das Statistische Bundesamt:
»Einfluss auf den Rückgang hatte eine zum 1.1.2016 in Kraft getretene Reform des Wohngelds. Bisherige Bezieherinnen und Bezieher von Grundsicherung gemäß SGB XII profitieren seitdem unter Umständen von höheren, vorrangig zu gewährenden Wohngeldbeträgen. Zudem führte eine Rentenanpassung zum 1.7.2016 zu steigendem Einkommen für Bezieherinnen und Bezieher von Rentenzahlungen. Dies gilt insbesondere für Personen über der Altersgrenze, für die dadurch möglicherweise kein Anspruch mehr auf Leistungen der Grundsicherung nach dem SGB XII besteht.«

Kommentare:

Anonym hat gesagt…

Hinweisen möchte ich in diesem Zusammenhang auf den seit dem 1.4.2017 höheren Vermögensschonbetrag bei Bezug der Grundsicherung im Alter und bei Erwerbsminderung. Dieser Betrag betrug bis zum 31.3.2017 2.600 €, seit dem 1.4.2017 beträgt dieser Betrag 5.000 € für volljährige Personen sowie für jede alleinstehende minderjährige Person. Die Neufassung der entsprechenden Verordnung ist hier einsehbar:

http://www.gesetze-im-internet.de/bshg_88abs2dv_1988/BJNR001500988.html

Gardinenverkäufer hat gesagt…

Lt. dem Paritätischen Wohlfahrtsverband ist die Armutsquote am Höchststand. Im Jahr 2015 habe die Armutsquote bei 15,7 Prozent gelegen. Das bedeutet, dass rein rechnerisch 12,9 Millionen Deutsche arm seien, also unter 60 Prozent des mittleren Einkommens haben.

Bei allen bekannten Risikogruppen hat die Armut im Vergleich zum Vorjahr demnach noch einmal zugenommen: Bei Erwerbslosen auf 59 Prozent, bei Alleinerziehenden auf 44 Prozent, bei kinderreichen Familien auf 25 Prozent, bei Menschen mit niedrigem Qualifikationsniveau auf 32 Prozent und bei Ausländern auf 34 Prozent.

Alarmierend sei im Zehnjahresvergleich insbesondere die Armutsentwicklung bei Rentnern. Ihre Armutsquote stieg zwischen 2005 und 2015 von 10,7 auf 15,9 Prozent und damit um 49 Prozent.

Im Bundesschnitt lag die Quote vor zehn Jahren bei 14,7 Prozent, einen Punkt niedriger als 2015. Bis 2o10 war sie gesunken, seitdem steigt sie wieder. Die Entwicklung markiere "einen neuen Höchststand im vereinten Deutschland", schreiben die Autoren der Untersuchung.

Der Verband forderte ein Einschreiten des Staats, um die Armutsentwicklung umzukehren. Es sei Zeit für einen "sozial- und steuerpolitischen Kurswechsel". Erforderlich seien eine andere Steuer- und Finanzpolitik sowie Maßnahmen beim Wohnungsbau, in der Arbeitsmarktpolitik und beim Ausbau sozialer Dienste, sagte Schneider.

Den Armuts- bzw. Reichtumsberricht und einiges mehr findet ihr hier:

http://www.armuts-und-reichtumsbericht.de/DE/Startseite/start.html

In meinem Bekanntenkreis gibt es immer mehr Familien, Alleinstehende, die ihren Wohnraum ihrer finanziellen Lebenssituation anpassen müssen. Sprich weniger qm. Gerade gestern bekam ein Kollege seine Mieterhöhung (mehr als 10%) von seinem langjährigem Vermieter "präsentiert" - die Wohnraummiete steigt damit um knapp 90 Euro/mtl. an - ohne NK.

Gleichzeitig munkelt man, dass die Besitzer dieser Immobilien - mit den Mieteinnahmen Zweit- oder Drittimmobilien finanzieren - und diese ebenfalls zu Höchstpreisen "ent- und dann neu vermieten.

Keine Gehaltserhöhung kann solche Sprünge auffangen - erst recht nicht, wenn man vor dem Renteneintritt steht - dann stellt man nämlich fest, dass man sein ganzes (Arbeits-)Leben im Grunde genommen vom staatlich propagierten Aufschwung bzw. Wohlstand nicht profitiert hat.