Samstag, 2. April 2016

Die letzten Zuckungen der Riester-Rente und die Zerstörung der Illusion eines schönen kapitalgedeckten Lebens im Alter, wenn es viele machen (wollen/sollen/müssen) und nicht nur einige

Von Stefan Sell
In einem Land wie Deutschland, in dem das Sparen und Fragen der Altersvorsorge selbst bei jungen Menschen einen hohen Stellenwert haben bzw. hatten, müssen diese Zeiten wirklich als eine Zumutung empfunden werden. Die umlagefinanzierte gesetzliche Rentenversicherung, die wichtigste Säule der Alterssicherung, ist seit Mitte der 1990er Jahre systematisch kaputt geredet worden, aber die als lukrative Alternative promovierte private, kapitalgedeckte Altersvorsorge - umgangssprachlich mit einem eigenen neuen Verb namens "riestern" aufgewertet - hat ihren Nimbus spätestens seit der Finanzkrise verloren. Und jetzt auch noch die langanhaltende und sich noch weiter radikalisierende Niedrigzinspolitik der Zentralbanken, die derzeit korrekter als Nullzins- bzw. Negativzinspolitik zu benennen ist. In eine solche Gemengelage passen dann solche Artikel, die in Zeiten der Aufmerksamkeitsökonomie mit ganz schwerem Geschütz hantieren: Deutschland steuert auf eine Katastrophe zu, meinen Anja Ettel und Holger Zschäpitz dem verunsicherten Bürger zurufen zu müssen und schieben sogleich hinterher: »Es droht eine Rentenkrise riesigen Ausmaßes. Auch private Vorsorge verspricht keine Rettung.«

Und die beiden Autoren konkretisieren ihren pessimistischen Blick auch auf die bislang so hochgelobte private Altersvorsorge - allerdings mit einer noch zu kritisierenden eindimensionalen Verengung auf die Zinspolitik der Notenbanken, die ja nicht vom Himmel gefallen ist, sondern den Versuch darstellt, mit dem geldpolitischen Instrumentarium der Zentralbank :
»Lange Zeit wurde die private Altersvorsorge – also Betriebsrenten, Riester-Verträge oder Lebenspolicen – als rettende Lösung aus dem staatlichen Finanzierungsdilemma verkauft. Doch die intensiv beworbenen Riester-Verträge und Lebensversicherungen werfen immer weniger ab. Schuld ist das seit Jahren andauernde extrem niedrige Zinsniveau, das die Berechnungen einer ganzen Branche über den Haufen wirft und die versprochenen Leistungen immer stärker stutzt.
Entsprechend dramatisch ist die Lage für viele Lebensversicherungen. Besonders die deutschen Anbieter, die einen Großteil ihrer Kundengelder in Zinspapiere wie Staatsanleihen oder Unternehmenstitel investieren, bekommen von den Experten der Ratingagentur Moody's einen negativen Ausblick.«
Das ist nur ein Teil der Wahrheit und darüber hinaus kann man in Deutschland einen massiven Vertrauensverlust hinsichtlich der Riester-Rente schon seit einigen Jahren beobachten - auch gespeist aus den immer öfter und von immer unterschiedlichen Seiten vorgetragenen Kritik, dass es sich eigentlich im Wesentlichen um ein Bereicherungsprogramm der Finanzindustrie handelt und der einzelne Sparer die Zeche zu zahlen hat.

Passend schreiben dazu Nando Sommerfeldt und Holger Zschäpitz in ihrem Artikel Die traurige Wahrheit über die Riester-Rente: »Zu bürokratisch, zu teuer und damit unlukrativ – der Ruf der Riester-Rente ist seit Jahren ramponiert.« Und fahren die Ernüchterung vorantreibend fort: »Nur ein Produkt galt als positive Ausnahme. Doch auch dieses offenbart jetzt eklatante Schwächen.«

In dieser Woche wurde bekannt, dass auch die letzte von Kritikern akzeptierte Riester-Variante einen unangenehmen Haken besitzt, berichten uns die beiden Autoren. Danach habe die "Stiftung Warentest" herausgefunden, »dass Fonds- und Banksparpläne künftig nicht mehr so kostengünstig sind wie bislang gedacht. Vor Auszahlung der privaten Rente können je nach Anbieter neue Gebühren anfallen, was auch diese Riester-Option deutlich unattraktiver macht. Wer "riestern" will, muss in jedem Fall hohe Kosten in Kauf nehmen.«

Das Besondere an der aktuellen Kritik: Während bislang schon die Ansparphase aufgrund der niedrigen bzw. nicht mehr vorhandenen Zinsen im Mittelpunkt der Kritik stand, wird nun auch die Auszahlungsphase der Riester-Rente kritisch  unter die Lupe genommen - mit einem bösen Erwachen für so manchen Vorsorger. Konkret:
»Bislang war es so, dass die ausgezahlte Summe zu 100 Prozent in eine Rente umgewandelt und dann monatlich ausgezahlt wurde. Jetzt aber kündigte die Versicherungswirtschaft überraschend neue Abschlusskosten bei der Verrentung an. Das erscheint umso ärgerlicher, da viele Vorsorgesparer bewusst die Fondsprodukte gewählt hatten, um teure Versicherungsverträge zu umgehen. Riester-Sparer dürfen sich maximal 30 Prozent der angesparten Summe auf einen Schlag auszahlen lassen. Der Rest muss in eine Rente umgewandelt werden. Diese Aufgabe übernimmt ein Versicherer. Und der will jetzt abkassieren.«
Es geht hierbei vor allem um Kunden mit einem Bank- oder Fondssparplan, Die neuen, für die meisten völlig überraschenden Zusatzkosten müssen im Zusammenhang gesehen werden mit dem ersten Schlag, den man ihnen versetzt hat - die "Gestaltung" der kalkulierten Lebenserwartung: »Nach den aktuellen Sterbetafeln geht die Versicherungsbranche davon aus, dass Männer bei einem Renteneintritt im Jahr 2040 rund 95 und Frauen rund 100 Jahre alt werden. Diese hohen Lebenserwartungen hatten die Riester-Produkte durchgängig weniger rentabel gemacht.« Vgl. dazu auch bereits meinen Beitrag Weil der Riester-Mensch durchschnittlich hundert Jahre alt wird und weil er die FAZ liest, kann er sicher glauben, dass sie sicher ist, die (Riester)-Rente vom 27.10.2014.

Es ist offensichtlich, um was für eine Sackgasse es sich bei den Riester-Renten handelt.

Aber schauen wir grundsätzlicher auf den Sachverhalt, denn immer noch es ist so, dass viele Menschen grundsätzlich der Idee der (stärker) kapitalgedeckten Altersvorsorge einiges abgewinnen können. Vor allem deshalb, weil sie aus einer individualistischen und vergangenheitsbezogenen Perspektive an die Sache herangehen.

In früheren Jahrzehnten war es ohne Frage so, dass die, die gespart hatten, lediglich durch den Zinseffekt ihrer Sparbeträge auf eine ordentliche Rendite gekommen sind, wenn sie sich der Kapitaldeckung gewidmet haben. Man ließ sein Kapital "arbeiten" und es vermehrte sich scheinbar automatisch und in einer angenehmen Größenordnung. Dieser Mechanismus ist nun augenscheinlich gestört bzw. zerstört durch die langjährige Niedrig- und nun auch Nullzinspolitik der Zentralbanken in Verbindung mit den vielen Anlagebeschränkungen, die man der Finanzindustrie bei Altersvorsorgeprodukten auferlegt hat.

Aber es gibt noch eine weitere fundamentale und von vielen übersehene Dimension. Vereinfacht ausgedrückt: Wenn nur einige sparen, dann lassen sich hohe, sehr hohe Renditen erwirtschaften. So war das auch in der Vergangenheit gewesen. Aber selbst unter anderen als den heutigen, vorwiegend aus politischen Steuerungsmotiven heraus verursachten Niedrig- und Nullzinsbedingungen würde die Lage anders aussehen, wenn nicht nur einige, sondern ganz viele an dem Spiel mi der Verzinsung teilnehmen wollen, sollen oder - wie bei uns durch die "Rentenreformen" der damaligen rot-grünen Bundesregierung bedingt - müssen, um die parallelen Kürzungen der Leistungen aus der umlagefinanzierten Rente kompensieren zu können.

Das hier angesprochene Problem ist keine neue Erkenntnis, sondern wird seit vielen Jahren in der Fachdiskussion aufgeworfen. Man schaue sich dazu nur diese Veröffentlichung an, die aus dem Jahr 2001 stammt:
Andreas Heigl und Martin Katheder: Age Wave - Zur Demographieanfälligkeit von Aktienmärkten. Policy Brief 4/2001, München: Hypovereinsbank, 2001
Ihre Argumentation damals, im Jahr 2001 (also in der Zeit, in der die damaligen Schröder-Regierung das Loblied der kapitalgedeckten Altersvorsorge gesungen hat, ging so: Insbesondere die Generation der heute 30- bis 50-jährigen muss mit niedrigeren Renditen für ihre Geldanlage in die Aktienmärkte rechnen. Denn auch die Kapitaldeckung ist im Zuge der demografischen Alterung ähnlichen Risiken ausgesetzt wie die umlagefinanzierten Alterssicherungssysteme. Ursächlich hierfür ist das sich künftig deutlich verschlechternde Verhältnis von Sparern zu Entsparern ("Age Wave").

Man kann das auch so ausdrücken: Wir sind alle Gefangene unserer Kohorte. Wenn also größere Summen von den Vorsorgenden eingesammelt werden, um diese rentierlich anzulegen und dann, wenn das Alter gekommen ist, die vereinbarten und die in Aussicht gestellten Beträge auch auszahlen zu können, dann braucht man Abnehmer für die Sachen, in die man Geld angelegt hat, beispielsweise in Immobilien oder in Aktien. Und was, wenn es zu diesem Zeitpunkt gar nicht genug Abnehmer gibt oder geben kann, weil deren Zahl deutlich niedriger ist als es in der Vergangenheit noch war.
Die bedingungslosen Befürworter dieses Modells würden an dieser Stelle darauf verweisen, dass das alles kein Problem sei, weil man ja bei der Anlage des Kapitals nicht auf Europa oder nur Deutschland angewiesen sei, sondern das Kapital sehr bereit streuen könnte.
Aber, so wird über die beiden Autoren berichtet:
»Als möglicher Ausweg wird oft ein verstärkter Kapitaltransfer in demographisch junge Länder mit hohem Wachstumspotenzial ins Feld geführt. Sie sollen mit den späteren Erträgen die Ruheständler der westlichen Industrienationen versorgen ("demographische Arbitrage"). Hier sind die Autoren aber skeptisch: Zum einen sind die Schwellenländer kaum in der Lage, das riesige Kapitalvolumen auch zu absorbieren. Wenn sich für die zufließenden Summen keine rentablen Investitionsmöglichkeiten mehr finden, kann die makroökonomische Stabilität sogar gefährdet sein.«
Genau das ist auch das Problem, dass wir bekommen, wenn man über Alternativen zur verbrannten Riester-Rente nachdenkt, beispielsweise in Gestalt der "Deutschland-Rente", die einen gigantischen Staatsfonds beinhaltet, der die Vorsorgegelder von vielen Millionen deutschen Sparern anlegen muss (vgl. dazu auch den Beitrag Riester in Rente und endlich eine "faire private Altersvorsorge"? Die "Deutschland-Rente" schafft es immerhin schon in den Bundestag vom 29. Januar 2016). Man kann es auch so ausdrücken: Wenn ein enormes Angebot an Anlagen in der Auszahlungsphase auf eine aus welchen Gründen auch immer deutlich niedrigere Nachfrage stößt, dann muss nach allen Regeln der Ökonomie der Preis sinken.

Foto: © T.R. / Fotolia 

Kommentare:

Babel Mouse hat gesagt…

Man muss halt selbst Fonds und Aktien kaufen anstatt diese Entscheidung an irgendwelche Fondsmanager zu horrenden Gebühren auszulagern. Aber die meisten Leute wollen eben keine Eigenverantwortung für ihr leben übernehmen und beschweren sich dann wenn sie ausgenommen werden wie die Wheinachtsgänse.

Anonym hat gesagt…

In 4 europäischen Staaten sind die kapitalgedeckten Renten schon vom Staat beschlagnahmt worden; zuletzt auch in Polen
Jetzt geht es an die Betriebsrenten und an das Ersparte der Menschen, wie in Zypern und in Italien.
Ich kann nur jedem raten für seine private Altersversorgung eine Variante zu finden, bei der:
1. Keine Provisionen abgezogen werden, wie bei Allianz,
Riester u. Co.
2. Die Gewinne legal nicht versteuert werden müssen.
3. Der Staat keine Kenntnisse von hat.
4. Nicht besteuert wird, wenn die Vorsorge im Alter
verbraucht wird.
5. Keine Krankenkassenbeiträge von bezahlt werden
müssen; daher auch keine Zuzahlungen für
Medikamente usw. usw.
6. Alles sofort und augenblicklich in einen anderen
Staat gebracht werden kann.
7. Auf der ganzen Welt als Zahlungsmittel anerkannt
wird.
8. Seit Jahrtausenden seinen Wert erhalten hat.
9. Nicht durch Inflation oder Währungsreform wertlos
werden kann.
10. Beim Ableben des Inhabers der Altersversorgung,
den Hinterbliebenen die Werte bleiben.
Wer kommt da an Gold vorbei?
Kurssteigerung von Gold seit 1970 im Durchschnitt 8,4% jährlich, und das legal steuerfrei.
Und wie war die Kurssteigerung bei Renten?
Jedenfalls haben die Renten seit der Einführung des Euro in Deutschland über 30% an Kaufkraft verloren, und werden weiter verlieren, denn bis 2030 werden die Renten auf 43% vom Netto gesenkt.
Aber auch nur, wenn man 45 Jahre dafür gearbeitet hat.
Wer etwa 30 Jahre für die private Rente anspart, damit er dann etwa 15 Jahre davon seine staatliche Rente aufbessern will, muss schon sehr großes Vertrauen in das Ersparte und den Staat haben, wenn der Staat davon etwa weiß.
Fragt mal z. B. Rentner die ihre Direktversicherung oder Reisterrente ausgezahlt bekommen haben.
Auch wurden rückwirkend Gesetze geändert, damit die Krankenkassen sich etwa 16% abzweigen können.

Viele Grüße
H. J. Weber

Anonym hat gesagt…

O.k. Beide hier bisher eingestellte Kommentare haben auf ihre Weise recht. Eigenverantwortung muss sein. Also z.B. vor Abschluss einer Riesterrente unbedingt die Verbraucherberatung aufsuchen. Das gilt natürlich auch für Geldanlagen: Aktien, Fonds usw. Denn nicht jeder - und ich ganz besonders - ist Renten- oder Finanzexperte.

Prompt wird das eben gesagte aber durch den zweiten Kommentar wieder relativiert. Erstens, weil deutlich wird, dass alle (privaten) Geldanlagen letztendlich dem Wohl- und Wehe der Kapitalmärkte ausgeliefert bleiben müssen. Ist man z. B. vor Gericht und auf hoher See wenigstens noch in Gottes Hand, ist das auf dem Kapitalmarkt offenbar auch nicht mehr der Fall und man fällt und fällt mit seinen Aktienkursen und dann kracht es. Weder auf die unsichtbare Hand des Marktes ist Verlass, noch kann man immer ganz auf einen in der Tat noch demokratischen Staat setzen, wie den unseren. Wie verhält sich denn unsere Regierung gegenüber den mit der Niedrigzinspolitik in Schwierigkeiten geratenen Versicherungsgesellschaften, wenn sie jetzt bei den "Lebens-Versicherten" nun die vertraglich in Aussicht gestellten Erträge auch anrechnen müssen? Es sieht ganz danach aus, dass sie hier die Versicherungsgesellschaften zu Lasten der Versicherten bevorteilen. Dann wird es in Kommentar 2 unfreiwillig satirisch. Was ich bitte gegenüber dem Verfasser nicht respektlos meine. Nur wie soll ich denn die genannten Vorschläge umsetzen? Wenn ich einerseits bei meinem Geld z. B. alles so richten soll, dass ich es sofort in einen anderen Staat bringen kann, wenn...Wir haben aber gerade gesehen, dass selbst demokratische Staatlichkeit nicht immer "gerecht" oder "fair" handelt. Und dann: Soll ich es als einfacher Hering an der Waterkannt etwa so machen, wie all die Finanzhaie in ihren Steuerparadiesen? Denen macht sowas, da wette ich drauf, bestimmt auch noch Spass. Aber nicht mir als Finanz-Hering und Mensch. Als Erwerbsloser kann man nämlich auch ohne sowas existenziell richtig harte Nüsse zu knacken kriegen. Und sei es, dass sich die Solidargemeinschaft über mich Minderleister und Nichts-dazu-Tuer empört.
Was aber sachlich nichts daran ändert, dass eine Umlage finanzierte staatliche Rentenversicherung, sich bisher den genannten Gefahren immer entziehen konnte. Ich meine, das könnte sie rotz des Schreckgespentes "demographischer Wandel" immer noch. Und das hat dann auch was mit Verantwortung zu tun, dass sich demgegenüber zu viele von uns Bürgerinnen und Bürgern veriestern, verüruppen und veraffelhüschen ließen.

Eberhard Stopp hat gesagt…

Als Versicherungsmakler empfehle ich die Riester R Ente ausdrücklich nicht! Man möge sich bitte nicht an dem verwaltungstechnischen Aufwand so sehr stören, sondern am Kunstrukt der Riester R Ente selbst.
Die hohen Kosten, die Anrechnung an Grundsicherung, die nachgelagerte Besteuerung, die " Sterbetafeln " und Sterblichkeitsgewinne, die nicht vorhandene Sicherheit (siehe VVG § 169, 163 , VAG § 314 = es gibt keine garantierte Rente !!) , die Nicht-Verfügbarkeit, ..alles wesentliche Nachteile.
Ein Nachteil fehlt noch: Der Arbeitgeber-Anteil von 50% des Beitrages, wie er bei der gesetzlichen Rente zu zahlen wäre. Und das ist auch genau der Grund des schrittweisen Ausstieges der AG aus den Sozialversicherungen. Profitmaximierung.
Und natürlich fehlt die Betrachtung der Inflation!
Der Bürger finanziert durch den Riester - Kürzungsfaktor in der gesetzlichen Rentenversicherung seine Zulagen selbst.
Es ist und bleibt eine Rund-Um-Mogelpackung, egal von welcher Seite man es betrachtet- für den Pflichtversicherten. Gewinner sind AG und Anbieter und deren Vermittler.
Die Riester R Ente ( auch die Rürup ) Rente gehören abgeschafft und die gesetzliche Rente gestärkt. Rücknahme der Rentenänderungen von 2001 wäre die einzig für den Bürger richtige Lösung. Das Ziel muss wieder eine bestimmte Rentenhöhe und nicht „ Beitragsstabilität“ sein. 2 % mehr Beitrag, von dem 1 % der AG zahlen muss, wäre die wesentliche besser, kostengünstigere Lösung für den Pflichtversicherten.
Die Privatisierung der Vorsorge ist nicht die Lösung, sondern das Problem. Eine solidarische Vorsorge gemäß GG Artikel 20 ist Pflicht des Staates, diese zu organisieren und zu garantieren. Und bitte komme da jetzt keiner mit der Raffelhüschen -Lüge vom Demografischen Wandel ....! Denn dabei spielt die Anzahl der Neugeboren keine Rolle, die zahlen keine Beiträge ( sieh Prof. G. Bosbach)...! Dann müssten in Indien und China ja nur reiche Rentner rumlaufen. Die Privatisierung der Vorsorge ist nichts weiter als ein Element des Neoliberalismus- bei dem alles zu privatisieren ist, was geht. Dass kann man sowohl bei WTO, IWF, FED, ...NGO alles nachlesen. Ziel : Profit. Um nichts anderes geht es in diesem Land, in der EU, in der Welt.
Als Versicherungsmakler verkaufe ich keine Riester R Enten !!
Siehe hier: http://www.fair-makler.com/Riester_R_Ente

Anonym hat gesagt…

Zurück in die Zukunft? Hatte Horst Seehofer eine Vision? Teil 1

Darum lesen: Tweet auf diesem Bloog zu neuen Presseberichten zur „Rentenfrage“:
>>Höhere Rente für alle, Stopp der Riester-Rente. Die 2001 beschlossene Kürzung rückgängig machen. Fordert? Seehofer<<

UF. Er hat gesprochen. Schwarzgraue Rauchwolken steigen in zyklischen Abständen auf von den Hochebenen der Mesa Baiuara. So hoch hinauf in den weißblauen Himmel, dass selbst die Stämme des fernen Nordens an den salzigen Wassern sie zu Gesicht bekommen. Auch dort versteht man die Zeichen wohl zu deuten. Häuptling „Crazy Horst“ vom Vier-Stämme-Volk der Baiuaren, den die Bleichgesichter Horst Seehofer nennen, hat das Rentenreformbeil ausgegraben, um damit auf den Wahlkampfpfad zu gehen. Und bei Manitu, Er hat gelobt, es bis zur nächsten Wahl des großen Rates aller föderierten Stämme unserer Wälder und Prärien nicht wieder aus der Hand zu legen, bis nicht auch das allerletzte letzte Wort dazu palavert wurde an den Ratsfeuern und Er den Kampf um Macht und Stimmen für sich entschieden haben wir.
Was der mit föderaler Macht ausgestattete Häuptling so alles vorhat, mit „der Rente“, sagt schlagzeilenartig der im Bloog als Tweet eingestellte ARD-Bericht: >>Die Union will im Bundestagswahlkampf offenbar auf das Thema Rente setzen. CSU-Chef Seehofer schlägt vor: Höhere Altersbezüge für alle - und Stopp der Riester-Rente. Die 2001 beschlossene Kürzung müsse rückgängig gemacht werden. Aus der SPD kam Zustimmung<<

Und es ist wahr. Viel Unruhe ist in den föderierten Stämmen. Immer weniger Jäger und Sammler würden es in Zukunft werden, heißt es, um auch die verdienten Alten in den nächsten Wintern noch satt zu bekommen. Man sähe schon immer mehr Bettler vor den Gemeinschafts-Wigwams stehen, wo an sie die Reste der bis jetzt noch guten Jagd ausgegeben werden. Drei starke Totempfähle (die Bleichgesichter nennen sie die staatliche Rente, die Betriebsrente und die private Rentenvorsorge) waren es seit je her gewesen, auf den die sprechenden Zeichen standen, wie Sorge getragen werden sollte für alle alten Squaws und Jäger. Bis man vor etlichen Monden, in den Zeiten von Föderationshäuptling Ruhige Hand, den Zeichen zu misstrauen begann - als die Winter anfingen verregnet zu werden, die Sommer zu heiß wurden und die Jagd zu schlecht. Sie seien morsch geworden hieß es. Man könne ihrer Medizin nicht mehr vertrauen. Und hektisch und planlos schnitzte man an ihnen herum, was ihre Medizin nur noch bitterer und schwächer werden ließ. Ist ja auch kein Wunder, sagt ein Bleichgesicht: Riester-Rente, staatliche Rente, Mütterrente, Lebensleistungsrente, Rente mit´63, Rente ´67, Rente mit ´65 plus Monate X gibt es auch noch, Betriebsrente, noch ne Rente…Rürup-Rente…Ende: Macht summa summarum für viel zu viele Menschen zu wenig Rente.

Einige wenige wurden nicht müde, dem eigentlichen Sinn der Zeichen nachzugehen, sie auf kommende Herausforderungen neue zu deuten und dem Volk davon zu berichten. Wenige hörten ihnen zu, von den meisten wurden sie geschmäht…. Und jetzt ist da auch diese neue Geistertanzbewegung, deren falsche Schamanen mit hysterischen Gesängen und wirren Reden Auswege aus den Missständen vorzugaukeln verstehen und immer mehr Zulauf finden, sogar bei den Stämmen des Südens.

Anonym hat gesagt…

Zurück in die Zukunft? Hatte Horst Seehofer eine Vision? Teil 2

Gegen große Gefahren (wie z. B. Machtverlust) braucht es starke Medizin. Und Crazy Horst will sie jetzt gefunden haben. Was ist geschehen? Hat der Häuptling „seine Kraft gesehen“, wie die Apachen sagen? Kam die Vision im Traum oder als er mit seinem Mustang flüsterte? Ihm Übel meinende Medizinmänner behaupten sogar, das Weißbier der Bleichgesichter sei mit im Spiel gewesen. Aber die sprechen mit gespaltener Zunge. Hau. Nein, Häuptling Crazy Horst hat den Geist des Neoliberalismus geschaut. In Gestalt eines reißenden Wolfes. Uf. Hatte Er diesem Geist nicht auch sein Vertrauen gegeben? Doch jetzt hat Er dessen Wahrheit erkannt. Die Kundschafter der Bleichgesichter berichten darüber so: >> Die "Neoliberalisierung" des vorigen Jahrzehnts sei gescheitert, sagte Seehofer. "Wir brauchen beide Lungenflügel, den marktwirtschaftlichen und den sozialen."<< Und: >>Konkret schlug CSU-Chef und bayerische Ministerpräsident Seehofer nun vor: Höhere Altersbezüge für alle - und die Rückabwicklung der Riester-Rente. Die Anfang des vergangenen Jahrzehnts beschlossene Kürzung des Rentenniveaus wird seiner Einschätzung nach dazu führen, "dass etwa die Hälfte der Bevölkerung in der Sozialhilfe landen würde". (…) Nicht einmal die Hälfte der Bevölkerung sorge privat fürs Alter vor. "Die Riester-Rente ist gescheitert."<<

Crazy Horst ist ein großer Häuptling, der sogar mit Bär des Ostens tanzt (obwohl das nicht sein Job ist) und dazu berichtet, er hätte dabei die Musik gespielt. Aber zu Hause ist die Macht seines Wigwams föderal begrenzt. Und also ist er los geritten, hinunter an die Biegung des Spreewood-River ins Hauptlager der Föderation zu Große Squaw. Dort hat er seine Rebellenfahne eingerollt, sie schön sichtbar an ihren Wigwam gelehnt und artig um Gastfreundschaft nachgefragt, zwecks Beratung. Große Squaw hat sich wie immer nichts anmerken lassen. Sie hat zugehört, hin und wieder so etwas wie „Uf“ gemurmelt und vor ihrem inneren Auge das Totem der Raute befragt. Und dann soll sie gesagt haben: So machen wir es. Wie Kundschafter der Bleichgesichter wiederum berichten, wurde u. a. folgendes beschlossen: >>Mit Blick auf die Bundestagswahl im kommenden Jahr wollen CDU und CSU offenbar wieder enger zusammenrücken und dabei auch die Rentenpolitik in den Blick nehmen. Bundeskanzlerin Angela Merkel und CSU-Chef Horst Seehofer hätten bei ihrem Treffen am Mittwoch im Kanzleramt vereinbart, gemeinsame Vorhaben zu definieren, um das Thema Flüchtlinge in den Hintergrund zu drängen, berichtete der "Spiegel". Seehofer und Merkel hätten besprochen, dass die Reform der Altersvorsorge eines der Kampagnenthemen werden solle<< Sie haben sich das große Indianerehrenwort darauf gegeben und der Horst ist wieder nach Hause geritten. Die Rebellenfahne hat er dagelassen, als giftiges Geschenk für Große Squaw.

Wieder muss man mit dem Kopf schütteln. Worum geht es nun? Um die Rente oder um machtpolitische Schachzüge mit instrumentalisiertem Thema dazu? Heißt es dann für uns wieder mal: Neues Spiel – Altes Pech? Bei Manitu, das kennen wir schon von der ersten Stunde der ersten „Rentenreformrunde“ im Gefolge der Agenda 2010 an. Geben wir uns jetzt noch eine zweite Chance, bevor es uns 2017 schlägt? Denn 2017 wird es unser aller wahlbestimmendes „Hau – Ich habe gesprochen - Wahlformular“ sein, das mit darüber entscheiden wird, wer von den Häuptlingen m/w und den Abgesandten der Stämme im Großen Rat danach überlegen darf, welche Wahlversprechen sie nicht einzuhalten geneigt sein werden. Doch das ist kleinmütig gesprochen. Wir werden immerhin Starke Medizin darin finden, dem Palaver genau zu zuzuhören, büffellederhosenzäh nachzufragen und uns so gut es geht einzumischen. Lesen wir mit, fiebern wir mit, im indianerharten Kampf um Macht und Rente. Bleiben wir hart. Lassen wir uns nicht resignieren.